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                                                       Verbotener Raum

 

Eindeutig in Ort und Zeit gibt der Titel eine Auskunft, die der verfremdenden Enthüllung der Bilder und der Akteure beiderlei Geschlechts widerstreitet, bzw. sie nicht wirklich trifft. Denn was tut Mia Unverzagt wirklich mit ihrer Verstellung und Ver-drehung des Gewohnten? Sie spielt in Geschlechterverhältnissen auf respektlose Weise. Der Respekt wird den Kunstwerken verweigert, wie dem gewohnten Blick auf weibliche Nacktheit, männlich bekleidete Betrachtung. Sie betritt damit ein feministisch besetztes Gelände, welches von ihr ebenso respektlos unterwandert wird. Wir kennen die Analysen, die vom männlichen Blick sprechen, vom weiblichen Körper, der zur Schau gestellt ist, wobei jeweils die Frauen den Blick wegdrehen müssen, um anzuzeigen, dass sie Objekt sind des Blickes, des Wunsches, des Begehrens von Männern. Anbetende Demütigung des Weibes, in diesem Paradox sind die weiblichen Akte gewöhnlich gefangen. Das erfährt eine Zuspitzung, wenn die betrachtenden bekleideten Männer zur weiblichen Nacktheit ins bild steigen und dort eine Beziehung zum weiblichen Objekt aufnehmen, Lüsternheit zeigen oder Gleichgültigkeit, sich beiher beschäftigen oder so tun, als ob das Gefälle zwischen dem bekleideten und dem unbekleideten Körper keines der Macht wäre.

 

Jetzt greift Mia Unverzagt ein, zunächst durch eine einfache Umkehrung. Bekleidet sind anschauende Frauen, nackt präsentieren sich männliche Körper. Der Effekt ist verblüffend, ist eine Provokation. Denn auf den ersten Blick schon sieht man, dass es in den Geschlechterverhältnissen keine einfache Umkehrung geben kann. Die nackten Männer, so sehr sie mit ihrer Nacktheit auch uneins sind, treten jedenfalls nicht als bloße Objekte auf, sondern bleiben Subjekte ihrer Handlung, bloß eben nackt. Sie müssen sich selber ausstellen. Das macht sie nackter, als es die Frauen waren. So wirken sie zunächst einmal lächerlich. Die bekleideten Frauen dagegen lassen den verfügenden Machtblick vermissen, d.h. sie steigen häufig gar nicht vollkommen aus der gewohnten Objektrolle heraus.

 

In dieser Weise werden Darsteller und Betrachter in die Handlung, die das Bild ausmacht, allseitig verstrickt. Man wird mit seinen gewohnten Vorurteilen in eine Veränderung hineingezogen, bei der man selbst nicht unverändert bleiben kann. So etwa muss die spontane erste Frage: „Sind nackte Männer nicht vergleichsweise lächerlich?“ auf den Prüfstand. Wir, die wir so empfinden, sind also Teilhaber an gewohnten erniedrigenden Verhältnissen, dass wir nicht einmal versuchsweise Machtbeziehungen umkehren können in unseren Wahrnehmungen und Gefühlen.

 

Die Bilder sind aufrührerisch. Sie sollten in Seminaren und Gruppen gemeinsam betrachtet und eine Diskussion über Wahrnehmungen, Empfindungen, Kränkungen, Gelächter und mögliche Veränderung angezettelt werden.

 

Frigga Haug