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Strasse des 13. Januar

 

Kunst ist politisch. Kunst ist auch dann politisch, wenn sie als bloße Dekoration der öffentlichen oder privaten Repräsentation dient. Kunst wird eminent politisch, wenn sie außerhalb ihrer gewohnten musealen Existenz auftritt und so direkt das öffentliche Bewußtsein dringt. Mia Unverzagt hat im Rahmen eines Projektseminars an der Hochschule der bildenden Künste Saar auf die Problemstellung künstlerischer Gestaltungsmöglichkeiten  der Saarbrücker KZ- Gedenkstätte Neue Bremm mit einem aktionistischen Eingriff reagiert

. Ihr Projekt „Straße des 13. Januar“ reflektiert die Saarabstimmung des Jahres 1935 mit der Provokanten Behauptung, über 90% der SaarländerInnen hätten damals für die „Heimkehr ins dritte Reich“ gestimmt. Sie verbreitete ihre Botschaft über Großplakate und Postkarten – und installierte (als bleibende Einrichtung der Stadtverwaltung) in dieser vom öffentlichen Gewissen verlassenen Straße zwischen „Schlachthof und Polizeikaserne“ unter den dort mit „13.Januar“ bezeichneten Straßenschildern jeweils zweite, aber leere, nicht bezeichnete Tafeln.

Die im Stadtraum just zum 13. Januar plakatierten „Erinnerungen“ und die Berichterstattung in der Saarbrücker Zeitung riefen unmittelbare Einsprüche damaliger AbstimmerInnen bzw. ihrer Nachkommen hervor. Tenor der (alten) vorwürfe an die (junge) Künstlerin war das Mißverständnis einer Schuldzuweisung: Sie hätten für Deutschland votiert, nicht für Hitler-Deutschland. Sie hätten keine andere Wahl gehabt und sich daher „trotz und nicht wegen Hitler für die Rückgliederung“ ausgesprochen. Selbst auf Gesprächsebene fiel es schwer zu argumentieren, daß es hier nicht um den Zeigefinger auf Schuldige geht, sondern um das Erinnern, und immer wieder das Erinnern an die fatalen Folgen dieser Entscheidung, deren Wiederholung es für alle Zukunft zu verhindern gilt.

Mia Unverzagt hat mit ihrer skulpturalen wie medialen Intervention im öffentlichen Raum der Stadt Saarbrüchen die „Straße es 13. Januar“ zu einem Mahnmal wider die vermeintliche Vergangenheitsbewältigung durch Verdrängung gestaltet. Sie hat das Verdrängte neu erfahrbar, das Unsichtbare sichtbar gemacht. Angesichts der wider weltweit grassierenden Nationalismen und Rassismen richtet sich die Erinnerungsarbeit der Künstlerin ganz bewußt an unsere Jetztzeit.              

                                                                                                     

Prof. Horst Gerhard Haberl